"Meine Kunst geht den Bach hinunter, bleibt im Fluss und will Meer!"

                                                                           Lukas Johannes Aigner 2013

Auszüge aus den Jahren 1998 – 2005

Verschiedene Werke

Geboren am 7.8.1974 in Linz, als jüngster Sohn von Helga Träxler und dem bekannten Maler Fritz Aigner, erhält er eine umfassende Grundausbildung an der Freien Waldorfschule in Linz. Nach einem erfolgreichen Abschluss schlägt er zunächst den Weg eines Bühnenbildners ein und studiert am Mozarteum in Salzburg bei Prof. Kappelmüller. Nach einem Aufenthalt am Innsbrucker Landestheater als Bühnenbildassistent zieht es ihn nach Wien an die Universität für angewandte Kunst, wo er von 1998-2003 die Meisterklasse von Prof. Herzig für Malerei und Grafik besucht. Das Diplom mit einer einstimmigen Auszeichnung und der Würdigungspreis des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kunst werden zum positiven Beweis einer fruchtbaren Zeit.

Blickt man nun 2006 auf die aktuelle Werkschau von Lukas Johannes Aigner, so ergeben sich acht Jahre intensive Auseinandersetzung mit seiner Malerei:

Von Beginn an steht für ihn das handwerkliche Geschick im Vordergrund.

Wer mit der Situation auf den Kunstuniversitäten vertraut ist, weiß nur zu genau, dass dieses Geschick fast nur über den autodidaktischen Weg zu erlangen ist.

 

Lukas Johannes Aigner, "Ausdruck in Linz" Acryl/Öl auf Leinwand, kaschiert auf MDF
Lukas Johannes Aigner, "Ausdruck in Linz" Acryl/Öl auf Leinwand, kaschiert auf MDF

Waren die ersten Ausführungen mehr ein Talentbeweis, so entsteht mit dem Bild „The great Meeting“ etwas völlig Neues:

 

Eine Schattenseite der menschlichen Existenz taucht durch ein zufällig entdecktes dokumentarisches Foto aus den Anfängen des Nationalsozialismus auf und inspiriert ihn zu einigen Interpretationen. Die damals mehr zufällig geschossene Ablichtung scheint die traurige Zukunft einer ganzen Generation vorherzusagen.

Ohne sich dem Rezipienten vordergründig aufzudrängen, verbergen die düsteren Gestalten ihr dunkles Geheimnis und starren den Betrachter mit vorwurfsvollem Blick an, als hätte man sie gerade beim Schmieden ihrer Pläne unterbrochen.

 

Lukas Johannes Aigner, Der Traum verhüllt durch Wirklichkeit, Triptychon, Acryl auf Tafel, 420x200 cm, 2008
Lukas Johannes Aigner, Der Traum verhüllt durch Wirklichkeit, Triptychon, Acryl auf Tafel, 420x200 cm, 2008

„The great Meeting“ reiht sich in den Zeitraum der Grünen Periode ein, in der sämtliche Werke von dieser Farbe bestimmt wurden. Dazu meint der Künstler:

 

„Meine erste intensive Auseinandersetzung mit der Farbe entstand im Frühjahr 1999. Arbeitete ich zunächst nur bei Kunstlicht im Keller, so konnte ich nun die Farben des Frühlings in unserem Garten auf die Leinwand bannen. Jedoch auch die mystische und vergängliche Seite der Natur blieb mir nicht verborgen. Vom saftigen Grün, das meine Bilder am Anfang beherrschte, ging ich über zu einem phosphoreszierenden Blaugrün. In diese monochrome Farbgebung tauchte ich meine Bilder, die nun von einer morbiden Schwere getragen wurden, aber auch das Temporäre in seiner Tendenz zur Auflösung zeigten."

Die epochalen Bilder finden ein breites Echo und werden als erste Abnabelung von seinem Vater verstanden. Die bis ins Abstrakte verzerrten Gesichter seiner Versammlungen erinnern nun mehr an einen Francis Bacon.

Um sich aber von diesem ersten Erfolg nicht zusehends in Beschlag nehmen zu lassen, werden von ihm neue Anschauungen und Herausforderungen gesucht.

 

 

Lukas Johannes Aigner, "Augen auf Felicia", Acryl/Öl auf Leinwand
Lukas Johannes Aigner, "Augen auf Felicia", Acryl/Öl auf Leinwand

Mit dem Zyklus „The Stagediver“ findet er ein neues Thema.

 

„Der Grund für die Darstellung von taumelnden, stürzenden Menschen, die von oben herabfallen, und wie in einer Wäschetrommel herumgeschleudert werden, liegt in meiner Vergangenheit als Sänger der Gruppe „dollsteak“. Ein Ritual, das man unter dem Begriff “Stagediven“ (Bühnentauchen) kennt, wurde bei vielen Live-Auftritten praktiziert. Die jungen Fans schmissen sich von den Bühnen ins Publikum und fingen sich im dionysischen Treiben gegenseitig wieder auf. Viele schöne und intensive Konzerte sind mir so in Erinnerung geblieben.“

 

Lukas Johannes Aigner The Stagediver Nr.III, Acryl auf Tafel,Triptychon, 420x200 cm, 2008
Lukas Johannes Aigner The Stagediver Nr.III, Acryl auf Tafel,Triptychon, 420x200 cm, 2008

Manuel Zauner, Fotograf und Musiker schreibt dazu:

 

„Cineastische Momentaufnahmen: Die frei schwebenden Figuren sind von Raum und Zeit suspendiert, wie der junge, von der Bühne stürzende Mensch sich wünscht, von den Forderungen der Hochleistungsgesellschaft befreit zu sein. Die kurze Zeit des Schwebens, das ist der Moment der Freiheit: Das Stroboskop setzt aus. Das Hämmern der Musik weicht absoluter Stille. Und der harte Aufprall, die Wirklichkeit dahinter kann erahnt werden. Doch da endet die Momentaufnahme auch schon wieder.“

 

Lukas Johannes Aigner, Es wird kalt, Acryl auf MDF, 144x 235, 2008
Lukas Johannes Aigner, Es wird kalt, Acryl auf MDF, 144x 235, 2008

Mit dem Titel: „Subventionsjäger, sei auf der Hut: Die Kunst trägt neue Blüten“ malt Johannes Aigner 2003 seine Diplomarbeit.

Das Hauptwerk der Arbeit, ein in Hell-Dunkel gehaltenes Bild, verweist hier allegorisch auf den Kreislauf des Lebens und die damit verbundene Vergänglichkeit. Als Protagonist steht er für die Eigenverantwortung eines unabhängigen, autonomen Menschen.

Ein fantastisches Element wird zur ernüchternden Realität: Eine aus den Medien bekannte, gentechnisch veränderte Maus- sie besitzt am Rücken ein menschliches Ohr -, versucht, vornübergebeugt, aus einem Weinglas zu trinken. Nicht unwahrscheinlich, dass sie darin ertrinkt. Die möglichen negativen Auswirkungen durch einen Eingriff in den natürlichen Schöpfungsakt werden hier angesprochen.

Sozialkritisch ist auch der Titel zu deuten: Er greift Kollegen an, die ihre Arbeit verleugnen, nur um an Inhalte zu gelangen, die am ehesten Subventionen ausschütten.

Sein Anspruch, den Menschen mit dem Raum zu verbinden und das erworbene Wissen aus seinem Studium am Mozarteum auch in der Malerei umzusetzen, wird hier deutlich.

 

Lukas Johannes Aigner, Subventionsjäger sei auf der Hut die Kunst trägt neue Blüten,Triptychon 200x480, 2002
Lukas Johannes Aigner, Subventionsjäger sei auf der Hut die Kunst trägt neue Blüten,Triptychon 200x480, 2002

Fritz Aigner verstirbt am 9. Jänner 2005, einen Tag vor einer weiteren Ausstellung in Linz. Gemeinsam präsentierten sich die Aigners als Künstlerfamilie, da auch die beiden Brüder- Matthias und Florian – Bildhauer sind. Zusammen stellte man mit Künstlern wie H.R. Giger und Ernst Fuchs in Österreich und dem Ausland aus.

Das für ihn und seine Familie schicksalhafte Jahr schildert Johannes Aigner so:

 

„Ende März bin ich mit meiner Freundin nach Ungarn gefahren, um ein paar Tage auszuspannen. Wie immer besuchte ich die Museen einer Stadt, wenn ich sie zum ersten Mal bereiste. Und auch dieses Mal versuchte ich, einen vergleichbar genialen Künstler wie meinen Vater zu finden, beziehungsweise ihn in den Werken andere zu entdecken; jetzt aber mit dem Unterschied, dass er nicht mehr lebte. Ich habe nichts Vergleichbares gefunden - ich war furchtbar deprimiert. `Jetzt ist er wirklich weg!`, habe ich mir gedacht. Zuhause angekommen, habe ich sofort zu malen begonnen, denn ich wusste, so lebt er in mir weiter.“

 

Lukas Johannes Aigner
Lukas Johannes Aigner

Die Traurigkeit eines Augenblicks fängt Johannes Aigner in den Werken aus dieser Zeit des Abschieds ein. Schwermut, Stagnation und Pessimismus machen sich breit. Das Scheitern in der Malerei und die Frage nach dem Sinn werden zum eigentlichen Thema. Die Farbe verselbständigt sich und scheint von der Melancholie des Künstlers infiziert worden zu sein. Zähflüssig erstarrt sie - der künstlerische Fluss ist ins Stocken geraten. Nicht ganz bei der Sache, mit einem fragenden Blick, scheint ihm die Malerei zu entgleiten.

In dem Bild: “Ausdruck in Linz“ verliert die Farbe vollends ihre Bedeutung; reduziert auf das bloße Bedürfnis der Nahrungsaufnahme und nicht zum geistigen Ausdruck, wird sie aufs Brot geschmiert.

Der Nährwert darf bezweifelt werden, allein die geballte Faust formt sich zu einem Symbol der Gegenwehr. Durch ihre perspektivische Vergrößerung überstrahlt sie den Raum in ungebrochener Vitalität.

Ähnlich wie in Van Goghs Selbstportrait mit abgeschnittenem Ohr, steht das Gesamtkolorit konträr dem Inhalt gegenüber.

Dem Rezipienten werden so schwere Inhalte leichter vermittelt.

 

Lukas Johannes Aigner
Lukas Johannes Aigner