Werke 2014

Lukas Johannes Aigner, "Figment of Imagination", Acryl auf MDF, 200x140cm, 2014
Lukas Johannes Aigner, "Figment of Imagination", Acryl auf MDF, 200x140cm, 2014
Lukas Johannes Aigner,"Erste Begegnung", Acryl auf MDF,2014
Lukas Johannes Aigner,"Erste Begegnung", Acryl auf MDF,2014
Lukas Johannes Aigner," Blick aus meinem Fenster in Alturfahr" Acryl auf MDF, 200x160, 2014
Lukas Johannes Aigner," Blick aus meinem Fenster in Alturfahr" Acryl auf MDF, 200x160, 2014
Lukas Johannes Aigner, "Ursula&Günter", Acryl auf MDF, 68x94cm
Lukas Johannes Aigner, "Ursula&Günter", Acryl auf MDF, 68x94cm
Lukas Johannes Aigner, "DaLenz", Acryl auf MDF, 160x200cm, 2014
Lukas Johannes Aigner, "DaLenz", Acryl auf MDF, 160x200cm, 2014
Lukas Johannes Aigner, Dämmerstunde in Alturfahr“, Acryl Auf MDF, 100x140 cm, 2014
Lukas Johannes Aigner, Dämmerstunde in Alturfahr“, Acryl Auf MDF, 100x140 cm, 2014

 Im Fokus der jüngsten Bilder von Lukas Johannes Aigner steht der Mensch als auch das Umfeld, in dem sich dieser bewegt. Beides beeinflusst einander und es entstehen Räume, die sich zwar um die conditio humana drehen, aber ebenso vieles in Verborgenen lassen, das doch präsent ist, wie das Bild Purgatorium (Abb. 1) anschaulich visualisiert. Eine Gruppe festlich gekleideter anonymer Personen sitzen in einem diffus ausgeleuchteten Festsaal an leeren Tischen, und fokussieren den Betrachter in unheimlicher Gleichgültigkeit. Die Fenster des Raumes und eine Tür im Hintergrund verweisen zwar auf eine Welt da draußen, aber Ort und Zeit bleiben unklar. Die grünlich marmorierte Glasgestaltung, das einzig Lebendige in diesem Raum, verstärkt nur noch die kafkaeske Szenerie. Die vom Künstler eingesetzten Hell-Dunkel Malerei wirft zum Teil starke Schlagschatten, hebt einzelne Bildbereiche hervorhebt und erzeugt neue Spannungsfelder,  wie bei den Tischen in der Mitte des Bildes. Fast unheimlich leuchten sie aus dieser gespenstischen Szenerie heraus, nehmen die Strukturierungen der Fenster auf, führen diese weiter und verstärken die beklemmende Stimmung des Bildes.  Ähnlich verhält es sich mit den Gesichtern; einige heben sich klar ab, andere wiederum bleiben silhouettenhaft im Halbdunkel – allgemein, unbestimmt und anonym. Die Teilnehmer dieser Sitzung – so scheint es – halten fast unwillig in der Bewegung still, abwartend bis sie ihre konspirative Besprechung fortsetzen können. Obwohl der Blickpunkt des Betrachters stark erhöht und durchaus distanziert auf die gespenstische Gesellschaft gewählt ist, entsteht ein Gefühl der Beklemmung. Mehr noch bleibt das Gefühl, dass hier zu Gericht gesessen und erst dann ein Urteil gefällt wird, wenn der Betrachter dem Bild den Rücken zuwendet.

Eine ähnliche unbestimmte Stimmung findet sich im Bild Der letzte Sprung (Abb. 2) wieder, das eine stürmische See mitsamt einer dominierenden Welle in der Bildmitte zeigt. Das Schiff im Hintergrund und der wohl einzige Überlebende, ein Mann in Schwimmweste (vielleicht der Künstler selbst) mit einem Hund im (letzten) Sprung, verweist womöglich auf ein Scheitern und  Überleben oder auch auf ein letztes, verzweifeltes Aufbäumen, um einem unausweichlichen Unheil zu entgehen. 

Welche Metapher letztendlich hier angesprochen wird, auf welches privates oder allgemeines Geschehen sich diese Darstellung bezieht, all das lässt der Künstler bewusst offen. Das tosende Meer, die dunkel-grüne Stimmung und die ungeklärten Positionierungen der Protagonisten verweisen jedoch auf fast apokalyptische Vorahnungen. 

In einem ähnlichen Kolorit ist auch das Bild Liegewiese (Abb. 3) gestaltet, das aus der Vogelperspektive verschiedene Menschen in Badekleidung zumeist liegend auf ihren dunklen Badetüchern zeigt, in denen sie fast zu verschwinden scheinen. Hier ist der Betrachter ein unbemerkter aber tolerierter Voyeur, der eine gängige Freizeitszene beobachtet, allerdings es kommt keine Sommerstimmung auf. Ähnlich wie im Bild Purgatorium (Abb. 1),  erlebt der Betrachter wiederum eine scheinbar vertrautet Welt, die an der Kippe ist, oder mit den Worten des Künstlers:„ [...]. Eine räumliche Atmosphäre wird so zum Mittel, wodurch psychische Prozesse zum Ausdruck kommen,“ denn das Bild erhält erst durch die irreale, eigenwillige Farbwahl, den wiederum nicht identifizierbaren Badenden und der stark gekippten Komposition seinen unheimlichen Bezug. 

 

Eine ganz andere Seite der künstlerischen Herangehensweise bezogen auf Gestaltung und Farbigkeit offerieren die Bilder Anastasia (Abb. 4) und Hört nicht auf zu spielen (Abb. 5). Auf den ersten Blick handelt es sich um phantasiereiche Zusammensetzungen, erst der zweite Blick verweist auf Versatzstücke intimer, persönlicher Erinnerungskultur aus dem Leben des Künstlers. In dem Bild Anastasia schläft eine Frau auf Bettdecken- und Kissenbergen. In traumhafter Gelöstheit befindet sich die Protagonistin in einer anderen Welt, was in der realen Welt bleibt, ist das Abbild ihres Körpers, der mitsamt der Schlafunterlagen im Raum zu schweben scheint. Ähnlich wie im Bild Anastasia geht es in Hört nicht auf zu spielen um eine von der Wirklichkeit entrückte Szene. Hier begegnet man der Frau aus dem Bild Anastasia wieder, nur jetzt als Teilnehmerin auf einem Rummelplatz. Die dargestellten Personen und Bildelemente bauen sich – rein kompositorisch gesehen – nach hinten auf, bestehend aus einer Blaskappelle, zwei Männern, wovon einer den Betrachter direkt anvisiert, einem Karussell, einem übergroßen Gorilla und einer Riesenradkabine. Der Jahrmarkt, als Ort des Rückzugs aus der Realität, des Staunens aber auch des zwiespältigen nicht enden wollenden Vergnügens, verweist an sich schon auf eine irreale Welt, die man jedoch nicht so schnell verlassen möchte, wie auch der Titel des Bildes schon suggeriert: Hört nicht auf zu spielen.

 

Lukas Johannes Aigner, "Purgatorium", Acryl auf MDF, 160X200 cm, 2013/14
Lukas Johannes Aigner, "Purgatorium", Acryl auf MDF, 160X200 cm, 2013/14
Lukas Johannes Aigner, "Alturfahr-West", Acryl auf MDF, 140x100cm, 2014
Lukas Johannes Aigner, "Alturfahr-West", Acryl auf MDF, 140x100cm, 2014
Lukas Johannes Aigner, "Liegewiese", Acryl auf MDF, 140x70cm, 2014
Lukas Johannes Aigner, "Liegewiese", Acryl auf MDF, 140x70cm, 2014